Stadtführungen

Erleben Sie die Sehenswürdigkeiten der alten Hellwegstadt Geseke im Rahmen einer Stadtführung, die der Verein für Heimatkunde auf Anfrage durchführt. Telefonische Anmeldung unter der Rufnummer des Heimatmuseums zu den Öffnungszeiten oder per E-Mail: VfHGeseke@gmx.de. Zeitlicher Umfang, Schwerpunkte und Treffpunkt der Führung können vereinbart werden. An Hand der folgenden Bilder und Texte erhalten Sie schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was auf Sie bei einem Rundgang erwartet.

Vorwort

Geseke erhielt bereits vor 1218 Stadtrechte. Die Entwicklung der Siedlung begann aber schon viele Jahrhunderte früher und mit der Stadtwerdung setzte ein Prozess des Wachstums und der Blüte ein.

Rathaus mit Teichpartie

Wie bei vielen anderen Gemeinden kam mit dem dreißigjährigen Krieg ein gewaltiger Einschnitt in die Entwicklung und erst unter den Preußen ab dem 19. Jahrhundert setzte ein neuer Aufschwung ein.

Doch kann man unsere Stadt in ihrer heutigen Gestalt nur erklären, wenn man sich ihre Geschichte vor Augen führt, so wie sie sich in Kirchen, Häusern und Straßenzügen widerspiegelt. Folgen Sie uns deshalb auf einem Stadtrundgang zu ausgewählten Sehenswürdigkeiten im Rahmen einer kleinen Zeitreise durch 14 Jahrhunderte Stadtgeschichte.

 

Marktbrunnen

 I. Geseker Marktplatz

Wir befinden uns im Jahr 1217. Gerade ist der gewählte Erzbischof von Köln, der erst 30jährige Engelbert von Berg, auf dem Marktplatz in Geseke angekommen. Er ist als Herzog von Westfalen und Engern der Landesherr auch für Geseke. Aber diese Herrschaft macht ihm sein direkter Nachbar, der Bischof von Paderborn, streitig. Dieser ist Grundherr in Geseke und daraus leitet auch er  Rechtsansprüche auf Herrschaft über Geseke ab. Engelbert versucht, seine Macht zu festigen und den Widersacher zurückzudrängen. Deshalb bestätigt er eine Übertragung von Ländereien und von Hausstätten um und in Geseke und dokumentiert so seinen Herrschaftsanspruch.

Die Urkunde spricht ausdrücklich vom "Rathaus" der Stadt und vom "Stadtgericht-Geseke" war also  über einen einfachen Marktflecken hinausgewachsen und Stadt geworden im mittelalterlichen Sinne. Malerisch und geschäftig müssen wir uns das Leben auf dem Marktplatz vorstellen. Zum Kaufen und Verkaufen kamen viele Menschen aus dem Umland in die Stadt. Viele blieben auch und siedelten sich an, denn "Stadtluft macht (im Mittelalter) frei".

Über die Geschichte unserer Stadt berichtet der Marktbrunnen, zu dem ein kleiner Führer erschienen ist. Direkt am Marktplatz erhebt sich die Stadt- und Marktkirche St. Petri. Petrus ist der Schutzpatron der Kölner Kirche. Die Missionierung des Geseker Gebietes zur Zeit der Franken erfolgte durch Köln, während wenige Kilometer weiter ostwärts die Mission mit Kreuz und Schwert von Würzburg aus betrieben worden war. Marktplatz mit Rathaus und Kirche bilden eines der Entwicklungszentren der Stadt.

II. Das Haus Thoholte.

Auch der Adel hatte Besitzungen in der Stadt. Im Haus Thoholte, richtiger wäre die Bezeichnung "Greven-Hof", übernachtete schon einmal der Landesherr, sicher weil er sich keine Unterkunft niedrigeren Ranges ausgesucht hätte. Der Adelssitz mit barockem Portal präsentiert sich mit einem großen Saal im hinteren Gebäudeteil aus dem 16. Jahrhundert. Die Wirtschaftgebäude sind bis auf die Wagenremise verschwunden.

 

III Der Hexenturm

Keine mittelalterliche Stadt konnte ohne Verteidigungsanlage bleiben. Drei Kilometer lang waren Wall und Mauer, die das Stadtgebiet abgrenzten; neun Türme und sechs Stadttore dienten der Verteidigung, aber auch der Dokumentation der eigenen Rechtsstellung und Selbstverwaltung. Wichtigstes Datum in der Geschichte der Stadtmauer war sicher das Jahr 1622, als die Geseker ihre Stadt als einzige in Westfalen vor der Einnahme und Plünderung durch den Tollen Christian bewahren konnten.

Entscheidende Hilfe erhielten sie durch kaiserliche Truppen. Daran erinnert die jährliche Lobetagsprozession. Von der Stadtmauer ist der baumbestandene Wall geblieben, der noch rund um die Stadt verläuft. Mauern, Türme und Tore wurden ab 1820 abgerissen. Der vorgelagerte tiefe Graben ist verrohrt, die Gärten - Hagen genannt - sind überwiegend mit Wohnhäusern bebaut.

Von den Befestigungen selbst ist nur der Stumpf des Pulverturms erhalten. Nach dem Volksmund wurden hier die Hexen gefangen gehalten. "Hexen-Geseke" war lange Zeit Gesekes Spitzname nah und fern, obwohl hier in der frühen Neuzeit nicht mehr und auch nicht weniger Hexenprozesse stattfanden als anderswo.

IV. Böddeker Hof

Wir sind an einem wichtigen Gebäude in der Stadt angekommen: Dem Zehnthof des Klosters Böddeken, der älteste profane Steinbau der Stadt. Hier entrichteten die dem Kloster zehntpflichtigen Bauern ihre jährlichen Abgaben, und von hier wurde ein Teil des umfangreichen Kosterbesitzes verwaltet. Auch das Kloster Abdinghof in Paderborn verfügte über einen Zehnthof in Geseke. Kirchen und Klöster waren bedeutende Grundherren, und vieles über die Geseker Geschichte ist in deren Archiven nachzulesen.

 

V. Katthagen

Wovon lebten die Geseker in den vergangenen Jahrhunderten? Natürlich überwiegend von der Landwirtschaft. Geseke ist eine typische Ackerbürgerstadt; die Bauern lebten in der Stadt und bearbeiteten ihre Grundstücke in der ausgedehnten Feldflur. Im Katthagen finden sich noch die Fachwerkbauten der Ackerbürger, aber auch die kleinen Hausstellen der Tagelöhner, die sich als Helfer auf den Höfen verdingten.

Im ausgehenden Mittelalter war Geseke noch von vielen Bauerndörfern umgeben. Dann aber zogen deren Bewohner in die sichere Stadt, und die Dörfer fielen wüst. Der ursprüngliche dörfliche Zusammenhalt blieb dennoch erhalten.

Sechs Bauernschaften bildeten Sondergemeinden innerhalb der Bürgerschaft. Die Straße "Auf dem Stift" zeigt wiederum ein anderes Bild. Hier stehen noch die Kurien der Stiftsdamen, die dem klösterlichen Leben in Gemeinschaft die Bequemlichkeit eines eigenen Anwesens vorzogen.

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