Das Archiv des Vereins für Heimatkunde e.V.
Bei seiner Gründung im Jahre 1925 wurde der Vereinszweck des Vereins für Heimatkunde im § 1 folgendermaßen definiert: "Der Verein für Heimatkunde hat seinen Sitz in Geseke und die Pflege der Liebe zur Heimat zum Gegenstande. Insbesondere verfolgt er den Zweck, die in Geseke und seiner Feldflur vorhandenen Altertümer und Naturdenkmäler zu sammeln und zu erhalten. Die Altertümer in geeigneten Räumen unterzubringen, um dieselben so der Allgemeinheit zugänglich zu machen und der Nachwelt zu erhalten. Der Verein für Heimatkunde bezweckt weiterhin die alten Sitten und Gebräuche, soweit angängig, wieder zu neuem Leben zu erwecken. Er wacht ferner darüber, dass die alten historischen Flurbezeichnungen erhalten bleiben. Endlich macht er es sich zur Aufgabe die plattdeutsche Sprache und Literatur besonders zu pflegen." Aber auch schon in den Jahrzehnten und Jahrhunderten vor der Gründung des Heimatvereins hat es Menschen gegeben, die sich als Einzelne durch heimatgeschichtliche Darstellungen oder durch eine ausgeprägte Sammeltätigkeit bemühten, die noch existierenden Zeugnisse der Geseker Vergangenheit, Schriften, Baulichkeiten und Gegenstände zu sammeln, zu erhalten und durch heimatgeschichtliche Veröffentlichungen ihren Mitbürgern bekannt zu machen. Mit der Gründung des "Vereins für Heimatkunde zu Geseke" wurden diese verschiedenen Bestrebungen nun systematisch vereint, kanalisiert und in ihrer Wirkung verstärkt. In der Vereinssatzung von 1925 wird im §7 ausdrücklich auch der Archivar genannt: "Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, dessen Stellvertreter, Schriftführer, Schatzmeister und dem Archivar." Seine Aufgaben werden in §13 beschrieben: "Dem Archivar obliegt die Ordnung, Bewahrung, Inventarisation, Etikettierung der Sammlungen. Er ist auch Bibliothekar des Vereins. Ihm steht es zu, ein Buch aus der Bibliothek gegen Empfangsbescheinigung zu verabfolgen." Abschließend wird im §16 geregelt: "Im Falle der Auflösung des Vereins fallen seine Sammlungen, seine etwaigen Geldmittel, sowie sein Archiv als unveräußerliches Eigentum der Stadt Geseke zu." Die Zitate belegen, dass zu diesem frühen Zeitpunkt, der Vereinsarchivar (im Vereinsstatut wird der Begriff eher als Synonym für "Bewahrer der Sammlungen" gebraucht) archivische, museale und bibliothekarische Funktionen zu erfüllen hatte und dem Archiv (also der Gesamtheit der Sammlungen) ein hoher Stellenwert zugebilligt wurde. Eine erste Aufgliederung der Aufgaben, ergab sich schon bald durch die Einrichtung eines Heimatmuseums, das durch einen Museumsleiter betreut wurde. Dennoch muss angenommen werden, dass ebenso wie bis zur Mitte der 80er Jahre, das Archivgut in seiner Anfangszeit im Heimatmuseum untergebracht war, wenn es nicht zum Zwecke der Erforschung und Auswertung sich in Händen des jeweiligen Heimatforschers befand. |
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Besondere Kostbarkeiten aus der Vereinsbibliothek: Mansi, Gipvanni Domenico: Locupletissima bibliotheca moralis.... Band III, Antwerpen 1701 |
Das Amt des Archivars ist in der Vereinsgeschichte stets von engagierten Heimatforschern ausgeübt worden. Besonders erwähnt seien: Der erste Vereinsarchivar und Gründungs- und Ehrenmitglied des Vereins und des Museums Amtsgerichtsrat Heinrich Leinemann, gest. am 22. Februar 1927 in seiner Wahlheimat Geseke im Alter von 67 Jahren. Schon vor Gründung des Geseker Heimatvereins wirkte er auf vielen verschiedenen heimatkundlichen Gebieten. Sein Nachruf in den Geseker Heimatblättern hebt in der Würdigung seiner zahlreichen Verdienste darüber hinaus hervor: "Besonders lag ihm die Sorge für das städtische Archiv am Herzen, manche Stunde hat er zwischen den vergilbten Akten zugebracht." |
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Einer der aktivsten Vereinsarchivare war der heute noch erinnerte Mitbegründer von Verein und Heimatmuseum, Stellmachermeister Anton Engels, geboren in Geseke am 23. November 1874. Anton Engels, im Volksmund nur "Tunnenbüker" genannt, war einer der besten Kenner der Geseker Familiengeschichte, beschäftigte sich aber auch mit der Auswertung der alten Bauerschaftsbücher (gebräuchliche Schreibweise in Geseke). Zeitweise war er Museumsleiter, Ortsheimatpfleger und Beauftragter für Bodenfunde. Lange Jahre übte er das Amt des Vereinsarchivars alleine aus, bis ihm, dem Hochbetagten, 1955 Josef Sigge und Dr. Hermann Hinteler als Vertreter bzw. Mitarbeiter an die Seite gestellt wurden. 1956 wird durch das Ausscheiden Josef Sigges Dr. Hermann Hinteler alleiniger Stellvertreter von Anton Engels. Der schriftliche Nachlass von Anton Engels befindet sich heute im Vereinsarchiv. Er umfasst ca. drei Archivkartons und beinhaltet Manuskripte und Archivalienabschriften. Sein zeitweiser Stellvertreter, der Geseker Josef Sigge wurde volkstümlich auch "Siggenpoter" (Poter = Pater) genannt. Auch er hat sich sehr um das Archiv und seine Bibliothek bemüht und dabei sein Augenmerk besonders auf die familiengeschichtliche Forschung gerichtet. Viele lateinische Urkunden wurden von ihm entziffert und übersetzt. Sein literarischer Nachlass, Manuskripte und Notizen, wurde in das Vereinsarchiv aufgenommen. Im November 1956 gab er aus gesundheitlichen Gründen seine Vereinsämter auf. Dr. med. Hermann Hinteler war von 1957 bis zu seiner Wahl zum ersten Vorsitzenden im Januar 1970 Archivar. Hermann Hinteler Vorsitzender, später Ehrenvorsitzender des Geseker Heimatvereins und Ehrenringträger der Stadt Geseke, ist noch heute für seine Verdienste um die Geseker Heimatpflege, insbesondere auf dem Gebiet des Denkmalschutzes und der Herausgabe der Geseker Heimatblätter ab 1956 auch überörtlich bekannt. Der Schriftwechsel aus seiner Zeit als Vereinsvorsitzender, die gedruckten und ungedruckten Manuskripte der Geseker Heimatblätter, die er bis zu seinem Tode als Schriftleiter betreute, und so manches von ihm gerettete archivarische Einzelstück befinden sich zum großen Teil heute im Vereinsarchiv. Bis zur eingangs erwähnten Übergabe des Vereinsarchivs an das Stadtarchiv lag das Vereinsarchiv in der gewissenhaften Verwaltung von W. Beinert und H. Gabriel. 1991 wurde das Archiv im Böddeker Hof deponiert und gemeinsam mit dem Stadtarchiv bis zum Jahre 1993 von der ersten hauptamtlichen Archivarin der Stadt Geseke Frau M: Weißenfels (verh. Ortmanns) mitverwaltet. Ihre Nachfolgerin bis heute ist Frau Evelyn Richter. Da die Räumlichkeiten im Böddeker Hof für ein Archiv nicht geeignet erschienen, zog mit dem Stadtarchiv auch das Vereinsarchiv 1998/99 in die oberste Etage der Dr. Adenauer Grundschule, Ostmauer 2, um. Das Archiv des Geseker Heimatvereins, so wie es heute besteht, ist ein in einem Kommunalarchiv, also einem öffentlichen Archiv, als Dauerleihgabe deponiertes Privatarchiv. Eigentümer ist der gemeinnützige Verein für Heimatkunde Geseke e.V., der als Eigentümer die letztendliche Entscheidungsbefugnis über Aufbewahrung, Zugang und Nutzungsbedingungen besitzt, gemäß den vertraglich festgehaltenen Absprachen mit der Stadt Geseke und denen, die mit jenen Bürgern getroffen wurden, die alte Schriftstücke und Bücher aus ihrem Privatbesitz dem Verein übergeben haben um sie einer interessierten Nachwelt zugänglich zu machen. Die Einsicht in den Fundus der gesammelten historischen Quellen und die Bücher der Vereinsbibliothek wird jedoch innerhalb der Räume des Stadtarchivs während dessen Öffnungszeiten möglichst großzügig gewährt, denn es war seit seiner Gründung ein Hauptanliegen des Vereins, die lokale Geschichtsforschung zu fördern. Aus dem gleichen Grund bemühte er sich von Anfang an, seine Bestände durch Ankauf und Schenkungen lokalgeschichtlich interessanten Schriftgutes aus Vergangenheit und Gegenwart zu ergänzen. Zeitlich umfassen die Bestände des Vereinsarchivs den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
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Vorsitzender H. Kersting übergibt der Archivarin im Beisein von Vereinsmitgliedern weiteres Archivmaterial |
Das nach klassischer Begriffsdefinition eigentliche Vereinsarchiv besteht in dem das Vereinshandeln betreffenden Schriftwechsel des Vereins und seiner Organe. Auch wenn sich aus der Vorkriegszeit nur einzelne Schriftstücke erhalten haben und eine breitere Überlieferung erst Ende 1946 wieder einsetzt, so bildet dieser Bestand doch eine der wichtigsten Informationsquellen für eine noch zu schreibende Vereinsgeschichte. Wenn man bedenkt, auf welchen Gebieten der Verein in Wahrnehmung seiner selbstgewählten Aufgaben, zum Beispiel im Gebiet der Denkmalpflege oder dem der Neubenennung von Straßennamen, auch das heutige Erscheinungsbild der Stadt geprägt hat, so erkennt man, dass in dieser Beziehung die Dokumentation der Vereinsgeschichte zugleich auch ein Stück der allgemeinen Stadtgeschichte ist, die das im Kommunalarchiv überlieferten historische Verwaltungsschrifttum sinnvoll ergänzt. |
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Sehr heterogen in Thematik und Form ist der zweite Hauptteil des Vereinsarchivs, der in archivischer Fachsprache als Sammlung zu bezeichnen ist. Urkunden, Briefe, Geschäftsbücher, Abschriften und Kopien von Archivalien mit Gesekebetreff aus heimischen und anderen Archiven, Zeichnungen, Fotos, Videobänder, Pläne, Plakate, Zeitungsausschnitte, Tagebücher, Totenzettel, Musiknoten, diverse Familienpapiere und anderes mehr seit dem 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart bilden zumindest punktuell die Bereiche der Geseker Alltagsgeschichte ab, die durch das Archivgut kommunaler Einrichtungen allein so nicht zu rekonstruieren wäre, weil die darin behandelten Geschehnisse nie Gegenstand städtischen Verwaltungshandelns waren. Mit dieser schon vor der eigentlichen Vereinsgründung begonnenen Sammlungstätigkeit und dem damit heute zusammengetragenen sehr reichen Fundus praktiziert der Geseker Heimatverein nun schon seit Jahrzehnten eine Aufgabe, die auch öffentliche Archive nach der neueren Archivtheorie als eine ihrer Kernaufgaben ansehen, nämlich nicht nur das Verwaltungshandeln der jeweiligen Registraturbildner (z.B. einer Stadtverwaltung oder eines Vereinsvorstandes) sondern die ganze Bandbreite des Lebens der Individuen und Institutionen der Stadt zu dokumentieren. Wenn man sich vor Augen hält, dass die Stadt Geseke überhaupt erst seit 1983 ein hauptamtlich betreutes Stadtarchiv besitzt, erkennt man, wie notwendig und sinnvoll die Entscheidung des Vereins war, sein Archiv in den städtischen Räumen unterzubringen und damit der geschichtlich Interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Den dritten Teil des Vereinsarchivs bildet die Vereinsbibliothek, die mehrere hundert überwiegend landes- und lokalgeschichtliche Bücher, Zeitschriften, Festschriften und Aufsätze umfasst. Abgesehen von ihrem Informationswert besitzen einige der in einem Sonderbestand vereinigten Bücher auch historischen bzw. antiquarischen Wert. So stammt das älteste Buch aus dem Jahre 1514, das "Liber utilissimus de quattuor hominis novissimus" des Carthusianus Dionysius, eine theologische Schrift über die vier Stationen des Menschlichen Werdeganges: Tod, Sündenstrafen, Göttliches Gericht und Freuden des himmlischen Jenseits. Die Vereinsbibliothek wird wie die anderen Teile des Vereinsarchivs laufend ergänzt.
Quelle: Gekürzte Fassung "Das Archiv des Geseker Heimatvereins" von Evelyn Richter in: "Wir haben noch tausend Dinge zu tun....." 75 Jahre Verein für Heimatkunde Geseke, Geseke März 2000. (KP)
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Besucheradresse: Ostmauer 2, (oberste Etage in der Dr. Adenauer Grundschule), 59590 Geseke |
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| Postadresse: Stadtverwaltung Geseke, - Stadtarchiv - , Postfach 1442, 59585 Geseke | ||||||
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Telefon: 02942-78137 Fax: 02942-987699 Email: stadtarchiv@geseke.de |
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Öffnungszeiten: Mo. - Mi.: 8.30 Uhr - 12.00 Uhr, 14.00 Uhr - 16.00 Uhr Do: 8.30 Uhr - 12.00 Uhr, 14.00 Uhr - 18.00 Uhr Fr: geschlossen Voranmeldung wird empfohlen |
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