Arbeitskreise
Dem Verein für Heimatkunde sind folgende Arbeitkreise angeschlossen:  

 

Der  Arbeitskreis Archäologie und Baudenkmalpflege

Der Arbeitskreis konnte als projektbezogenes  Team mit wechselnder Zusammensetzung in jüngster Vergangenheit unter der Leitung des Vorsitzenden Hubert Kersting zahlreiche Restaurierungen realisieren, von denen hier einige kurz dargestellt werden. (siehe auch Denkmalpflege)

Die Warte Lugdal ist als ein Rest der Geseker Verteidigungsanlagen aus dem Mittelalter anzusehen. Es handelt sich um einen Turmstupf von 4 - 5 Metern Durchmesser, der von Umfassungsmauern von 1,2 Metern Stärke umgeben ist. Sie liegt etwa 2,7 km südwestlich von Geseke. Von hier aus konnte den Einwohnern von  Geseke wahrscheinlich durch Rauchzeichen das Herannahen eines Feindes angekündigt werden. Von der Anlage sind heute nur noch der Turmstupf und die Ringmauer erhalten, die im Jahre 1925 von Heinrich Leinemann mit seinen Schülern und Referendaren ausgegraben wurde. Im Jahre 1959 wurden der Turmstumpf und die Ringmaueranlage restauriert. Im Jahre 1989 war unter Abstimmung mit dem Landesamt für Bodendenkmalpflege eine erneute grundlegende Sicherung notwendig, da der Bewuchs und der unsachgemäße Umgang mit der Bausubstanz seitens mancher Zeitgenossen der Bausubstanz arg zugesetzt hatten.

Warte Lugdal

F. Budde, H. Kersting, R. Bergmann beim Testen des Beetpflugs

Bis ins 13. Jahrhundert befanden sich  in der Geseker Feldflur noch mindestens 12 dörfliche Siedlungen. Im Laufe der Stadtwerdung suchten deren Bewohner hinter der Stadtmauer Schutz vor Überfällen. Der Doktorand R. Bergmann von der Universität Münster hat diese ehemalige Besiedlung erforscht und in der Wüstung Elsinchusen umfangreiche Grabungen und Analysen durchgeführt, bei denen die Geseker Heimatfreunde tatkräftig mitgeholfen haben. Gefunden wurden u.a. Küchenscherben, eiserne Forken, eine Schafschere. Weiter fand man Münzen des  Erzbischofs Adolfs I. (1193 - 1205) sowie eine vergoldete Silberfibel, die man dem Übergang vom12. zum. 13. Jahrhundert zuordnen kann. Ferner wurden die noch erhaltenen Reste der Grundmauern freigelegt, die Aufschluss über die Größe der Bauwerke und der Gesamten Siedlung gaben. Zur Illustrierung der damaligen bäuerlichen Wirtschaftsweise ist auf Anregung von R. Bergmann nach Vorlage aus dem Sachsenspiegel ein mittelalterlicher Beetpflug nachgebaut und in der Geseker Feldflur getestet worden, allerdings mit Hilfe eines Traktors, da die Herstellung eines geeigneten Pferdegeschirrs zu aufwändig gewesen wäre.

 

Der Arbeitskreis zur Geschichte jüdischer Familien in Geseke

Im Frühjahr 1989 bildete sich auf Anregung von Ernst Engelhard als Leiter der VHS Möhne-Lippe und des Vereins für Heimatkunde e.V.  ein Arbeitskreis zur Erforschung jüdischer Familien in unserer Heimatstadt.

Die Frauen und Männer der ersten Stunde waren Agnes Budde, ehemalige Büroangestellte in der Getreidehandlung der jüdischen Familie Schild; Gertrud Hoffmann, frühere Nachbarin der Familie Cohn; Franz-Wilhelm Kersting sowie Reinhard Marx als fachlicher Leiter.

Im Laufe der Zeit beteiligten sich auch Nerina Marx Jandric, Helmut Aderson, Philipp Kersting, Peter Winnemöller und insbesondere Marianne Gade und Friedhelm Budde, die auch heute4 noch der Gruppe angehören. Unterstützt wurde die Arbeit ferner durch Fotoreproduktionen des unvergessenen Günther Schraub und Übersetzungen hebräischer Grabinschriften von Smul Rubens aus Paderborn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Familientreffen der jüdischen Familie Halle in Witten-Annen 1999 nahmen Vertreter des Arbeitskreises teil. V. li. n. re.: F. W. Kersting, M. Gade, R. Marx, F. Budde

Neben Publikationen in den Geseker Heimatblättern wurden Zwischenergebnisse der Arbeiten in Ausstellungen im Hellweg-Museum und in der Sparkasse Geseke 1992/93 der Öffentlichkeit präsentiert, wobei die große Resonanz der Gruppe zu weiterem Ansporn verhalf.

In Zusammenarbeit mit Frau Richter vom Stadtarchiv Geseke beteiligten sie sich 1995 an der Ausstellung anlässlich des 50-jährigen Endes von Krieg und Naziherrschaft.

Pokal zur Goldenen Hochzeit für

Samson und Lia Stern, Aug. 1872,

Hellweg-Museum Geseke

Eine umfassende Bilanz stellte dann das im Herbst 1997 fertig gestellte Buch "Juden in Geseke" dar. Durch finanzielle Hilfsmittel insbesondere des Vereins für Heimatkunde und der Sparkasse Geseke gelang es, eine Dokumentation der jüdischen Friedhöfe mit der Geschichte jüdischer Familien in Zusammenhang zu stellen. Die Auflage 550 Stück war innerhalb von zwei Jahren bis auf wenigen Restexemplare vergriffen. Der Arbeitskreis sah sich in seinem Bemühen, durch eine Dokumentation des Geschehenen einen Beitrag wider das Vergessen leisten zu können, bestätigt.

Noch weitaus intensiver und nachhaltiger wirkte sich die Arbeit jedoch auf die Nachfahren der ehemaligen jüdischen Mitbürger aus. Über Briefe, Telefon, Internet und schließlich auch durch persönliche Begegnungen gestalteten sich die Kontakte zu einem regen Informationsaustausch. Für einige der Betroffenen öffneten sich erstmalig die Türen zur Geschichte ihrer Familien, während andere in ihrem Bemühen zur Erforschung ihrer Wurzeln Anstöße und Unterstützung fanden. Stellvertretend für den Gesamttenor sei an dieser Stelle die übersetzte Reaktion von Roberta Halle aus den USA, Nachfahren einer jüdischen Familie aus Störmede, wiedergegeben:

 

"Worte reichen nicht aus, um meine Freude, Aufregung und Liebe für Sie und Ihre Gruppe auszudrücken, die ich empfand, als ich heute das Buch über die jüdische Geschichte in Geseke erhielt. Ihre Jahre der harten Arbeit und Hingabe haben sicherlich ein großartiges Mahnmal der Jüdischen Geschichte in Geseke hervorgebracht....

Ich habe einige wundervolle Menschen durch Ihre Bemühungen kennen gelernt. Mein "Familienwald", wie wir den Stammbaum mittlerweile nennen, ist auf 640 Personen angewachsen". Inzwischen hat sie die 1000er Grenze überschritten und uns eine Stammbaumrolle im Format 1400 x 45 cm übersandt.

R. Marx mit jüdische Besuchern auf dem jüdischen Friedhof in Geseke.

von li. n. re.: Rose, R. Marx, R. Halle Bass, Barry, M. Bass

Als Besucher in Geseke konnten bislang Angehörige  der jüdischen Familien Cohn, Grünberg, Schild, Kronenberg, Müller, Goldschmidt, Halle Spiegel und Stern begrüßt werden, wobei die Verbindungen Nach Holland, Belgien, England, Israel, Chile, Kanada und den USA reichen.

Der Informationsfluss reißt nicht ab. Immer wieder öffnen sich neue Verbindungen, erweitert sich der Personenkreis und finden sich zusätzliche Puzzlestücke, wie bei der Entdeckung und Ausgrabung von alten Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof.

Der Arbeitskreis sieht daher keinen zeitlichen und inhaltlichen Abschluss seiner Forschungen und möchte auch in absehbarer Zukunft seine vielfältigen Aktivitäten fortsetzen.

 

Leiter:

Reinhard Marx

Zu den drei Linden 31

59590 Geseke

 

Quelle:

R. Marx: Der Arbeitskreis zur Geschichte jüdischer Familien in Geseke, in: 75 Jahre Verein für Heimatkunde Geseke, S.61,62

 

Fotos: Archiv

 

Der plattdeutsche Krink

Die Gründung des Plattdeutschen Krinks ist untrennbar verbunden mit der Lehrerin Frau Christel Schulte Krude, die als gebürtige Gesekerin die Sprache auf dem heimischen Bauernhof Tillmann noch erlernt und gesprochen hat. Sie pflegte Kontakte zum Wibbelthof in Münster, wo der Priesterdichter Augustin Wibbelt ihr die Pflege der plattdeutschen Sprache vor allem in der Zeit als Ruheständlerin nahe legte. Der Münstersche Krink war es dann auch, der unter der Leitung von Dr. Kemminghausen und Dr. Gustav Mertens im Dezember 1956 die Gründung eines Geseker Krinks im Rahmen einer Veranstaltung in der Aula des alten Gymnasiums in Geseke vorbereiteten. Vorsitzende wurde damals Frau Christel Schulte Krude, der 2. "Baas" Josef Beinert. Zu den Mitbegründern und Gönnern des Krinks zählten ferner Heinrich Struwe, Josef Müntefering, Johannes Pollmüller, Bernhard Müller, 'Toni Blömecke-Beinert sowie Dr. B. Leinemann. "Schriver und Penningsmester" wurde Josef Schlüter.

Einige Jahre nach der Krinkgründung wurde dann Josef Müntefering Vorsitzender und behielt das Amt weit länger als 20 Jahre. Als alter Geseker Bauer hatte er dafür gute Voraussetzungen, da bei ihm zu Hause nur Platt gesprochen wurde. Frau Schulte Krude, genannt "Drüttgen", erfreute fortan mit ihren plattdeutschen "Dönekes"  und Gedichten auf zahlreichen Vortragsveranstaltungen ihre Zuhörer. Ferner veröffentlichte sie allwöchentlichin der Zeitung die Zwiegespräche zwischen "Jans und Drüttgen", in denen sie Themen aus allen Lebensbereichen aufgriff. Josef Müntefering verfasste über 50 Berichte über verschiedene Themenbereiche des täglichen Wirtschaftens und Lebens seines Erfahrungskreises (vor allem des landwirtschaftlichen), die er dem volkskundlichen Archiv in Münster zur Auswertung überließ. Auch andere Mitarbeiter des Plattdeutschen Krinks griffen zur Feder. So verfasste Josef Grönenberg das Wörterbuch "Geseker Platt". Werner Freise sammelte die "Geiseker Schänneriggen".

 

 
Unter der heutigen Leitung von  Robert Mattenklotz treffen sich die Mitglieder des Krinks etwa alle zwei Wochen zum Erzählen, Sammeln und Vorbereiten weiterer Veranstaltungen. Die Vorlese-(Erzähl-)abende finden im Böddeker Hof statt und werden in der Regel von etwa 50-70 interessierten Zuhörern besucht. So sind Veranstaltungen unter folgender Themenstellung in Vorbereitung: "Geiseker Lüe", "Düt un dat in Geiseker Platt", "Geiseker Geschichten in Platt".

Die Termine werden in der Presse bekannt gegeben.

Der Arbeitskreis würde sich über Neuzugänge zur Verstärkung des Teams sehr freuen, ist sich aber der Schwierigkeiten der Rekrutierung neuer Mitglieder bewusst, da die jüngeren Mitbürger  die plattdeutsche Sprache im täglichen Umgang nicht mehr erfahren.

Vorsitzender des Arbeitskreises:

Robert Mattenklotz

Hellweg 30

59590 Geseke

 

Texte in Anlehnung an

H. P. Busch u.a. in

"75 Jahre Verein für Heimatkunde".

 

 

 

Eine Besonderheit von Geseke:

Hier werden die kleinen Kinder nicht vom Klapperstorch gebracht, sondern aus dem "Blauen Kolk" gezogen. Nach dem plattdeutschen Gedicht von Paul von der Weihe (al. P. Henke)  lockt man sie heraus mit einem Apfel oder einer Speckschwarte, eventuell sogar mit beiden.

De bloe Kolk

1. Im Reosendeik, im bloen Kolk,

Do wuhnt dat kleine Menskenvolk,

De Miekens un de Jungens!

Se slopet do im deipen Deik,

Wo Reosen ranket raut un weik

Für Miekens un für Jungens!

2. Wänn raut un graut de Mone schint,

Goh no diäm bloen Kolk geswind,

No Miekens un no Jungens!

Mit Appels un 'ner Swore Späck

Un denke dran un si kein Gäck

An Miekens un an Jungens!

3. Diän rauen Appel nimm teor Hand

Un bind 'ne an eine rauet Band

Für Miekens, nit für Jungens!

De Swore Späck an en starken Strick,

Do strampelt dran gans swor und dick

Kein Mieken, ower 'n Jungen.

 

 

 

 

 

4. Un hiäst diu mähr nau in'n Sinn,

Dan halt in't Water beides rinn

Für Miekens un für Jungens!

Un loht se beide beiten fast,

Dann treck gans sacht de seute Last:

En Mieken un en Jungen.